Der hässliche Zwilling. Das Tagebuch zu „Die 7 Gründe zu töten“.

Wenn wir nicht verstehen und akzeptieren, dass wir alle, alle Männer das in uns tragen, was toxische Männlichkeit genannt wird, wie wollen wir dann jemals etwas ändern? Wenn wir nicht verstehen, dass es Gründe dafür gibt, die in unserer Geschichte, unserer Gesellschaft, unserer Erziehung, ja auch in unserer Biologie liegen, wie wollen wir dann etwas ändern? Eine Zeitlang gab es die berühmt berüchtigte Frage, wo man 1933 gewesen wäre. Wäre ich in den Krieg gezogen? Hätte ich mitgeholfen, die Juden zu vernichten? Oder hätte ich zumindest weggesehen, weil ich vielleicht sogar davon profitiert hätte? Einige haben gesagt, sie hätten niemals mitgemacht und dann gehen sie auf den Fußballplatz und hassen die Fans der gegnerischen Mannschaft, oder sie gehen zu Prostituierten, oder sie schauen  Pornos, in den Frauen erniedrigt und misshandelt werden. Niemand ist davor gefeit, ein toxischer Mann zu werden. Einfach, weil wir es in uns tragen. Es ist bei jedem anders ausgeprägt. Mal ist es stärker, mal schwächer. Aber es ist da. Und es wartet darauf, dass es hervorbrechen darf. Wie ein Orgasmus, wie eine Erlösung, wie der Krieg. Wir müssen die patriarchalen Strukturen hinterfragen. Wir müssen unsere Vorstellung von uns selbst hinterfragen.

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